Grenzgänger

Ich habe gerade einen seltsamen Moment. Ich habe ein bisschen das Gefühl, als wäre ich gerade alle Krabben, die ich jemals war,  auf einmal. Ich bin gerade wieder 15 und habe kurze stachelige Haare, ich bin 27 und stehe auf einem Parkplatz in der Nähe von Potsdam, ich bin gerade 11 Jahre alt und flehe mein Tagebuch verzweifelt an, nie erwachsen zu werden. Ich bin 24 und trainiere jeden Abend wie verrückt, weil ich jemandem gefallen will, ich bin 19 und enttäuscht von meiner Geburtstagsfeier. Ich bin 21 und unglückliche Auszubildende, die über die Kündigung nachdenkt, ich bin 6 und sage zum ersten Mal mit vollem Bewusstsein „Das war ironisch gemeint!“. Ich bin fast 26 und habe gerade mein Diplom überreicht bekommen.  Ich bin 17 und verbringe allein ein Jahr im Ausland, ich bin 14 und höre am liebsten Instrumentalmusik. Ich bin 28 und habe morgen meinen letzten Arbeitstag in dieser Stadt. Ein seltsames Gefühl. Aber beruhigend irgendwie.

Wenn ich zurückblicke, sage ich vielleicht, dass ich das ein oder andere anders machen würde. Aber im Großen und Ganzen hat mich die Vergangenheit bis zu diesem Punkt geführt und ich bin froh, dass ich hier stehe. Die Zukunft liegt vor mir und jeden Tag habe ich die Chance sie zu gestalten. Ich habe das Gefühl, eine Grenze zu überschreiten, mich selbst mit anderen Augen zu sehen. Jetzt, in diesem Augenblick, kann ich sagen, dass viele meiner Träume wahr geworden sind. Ich werde geliebt – und ich liebe. Ich habe meinen Platz gefunden, ich weiß, wie ich sein will. Manchmal ist mir das seltsamerweise überhaupt nicht klar.

Ich schreibe wirres Zeug, scheint mir. Mein Freund würde jetzt wahrscheinlich anmerken, dass nur Frauen solch merkwürdige Gedanken haben und dass sie in ihrer eigenen Welt leben. Was gar nicht so falsch sein muss.

Ich sollte jetzt vielleicht mal ins Bett krabben, das Philosophieren liegt mir nicht.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “Grenzgänger

  1. Hallo Krabbe,

    ja, so ein Aufbruch ist schwer, das kenne ich nur zu gut. Aber irgendwie schafft man es, und du bist ja nicht alleine.😉
    Genieße die letzte Zeit in deiner alten Stadt und dann los und kopfüber in neue Abenteuer!
    Liebe Grüße,

    Steffi

  2. ich finde, das du mit deinen gedanken wunderbar verdeutlichst, was einem beim antritt eines neuen lebensabschnitts durch den kopf geht. man lässt die vergangenheit revue passieren, lebt in der gegenwart und ist doch gleichzeitig schon fast in der zukunft angekommen…
    ich wünsch dir jedenfalls einen glücklichen start im „neuen leben“.
    und spaß dabei .
    liebe grüße
    claudi

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