Da bin ich wieder

Ich habe lange nichts von mir hören lassen, was mir sehr leid tut. Die vergangenen Monate waren nicht die einfachsten, so dass meine Energie nicht für all die Dinge ausreichend war, in die ich gern Zeit investiert hätte. Falls der ein oder andere meine Berichte in „Still Dark @ Heart“ verfolgt hat, wisst ihr ja vielleicht schon, dass ich Ende des letzten Jahres in eine „depressive Episode“ hineingerutscht bin. Es war nicht das erste Mal für mich, dennoch steht man solchen Dingen jedes Mal wieder ziemlich hilflos gegenüber. Vor allem deshalb, weil es fast unmöglich ist zu erklären und zu beschreiben, wie es in einem aussieht und dass es einem schlecht geht, obwohl man doch nach außen hin so munter wirkt.

Die Fragen „Was hast du denn?“ oder „Warum bist du denn so deprimiert?“ kann ich in solchen Situationen nicht beantworten. Wie soll ich den Selbshass beschreiben? Den Ekel vor mir selbst? Die Angst, nicht liebenswert zu sein? Die Abscheu vor meinem Spiegelbild? Das Gefühl völliger Wertlosigkeit? Die Versagensängste? Denn nach außen hin zeige ich mich so normal wie ich kann. Ich bin fröhlich, nett, hilfsbereit, eine beliebte Kollegin, engagiert, freundlich. Niemals würde ich es zulassen, dass man im Job merkt, dass ich „nicht richtig ticke“. Damit würde ich selbst dafür sorgen, dass ein Spießrutenlauf für mich beginnt.

In meinem Beruf werden Depressive verachtet, als faul hingestellt, als bekloppt, als „Krankmacher“. Ich erlebe das täglich bei der einen Kollegin die den Fehler gemacht hat, offen mit ihren Depressionen umzugehen. Ist sie krank, wird gleich schlecht geredet. „Na, hat sie wieder keinen Bock?“ oder „Hat ihr die Meinung vom Chef wieder nicht gepasst?“.

Für mich war dies von Anfang an ein Grund, zum Arzt zu maschieren und mir Antidepressiva verschreiben zu lassen. Dieses Mal war es mir so egal, dass ich dadurch zappelig werde und ständig mit den Beinen wackel oder häufig meine Hände ringe, meine Handballen knete oder die Finger verkrampft verschränke, weil ich körperlich so angespannt bin. Ich wollte funktionieren, ich wollte mein Leben wieder leben. Ich wollte mich wieder für Dinge interessieren.

Und das hat geklappt. Ich funktioniere wunderbar. Ich war nicht einen Tag wegen der Depression krankgeschrieben. Ich war eine Muster-Arbeitnehmerin. Ich wirkte Tag für Tag adrett und seriös.

Mache ich eine Therapie? Nein. Ich sollte, ich müsste. Mein Arzt rät es mir dringend. Aber ich habe das schon einmal gemacht. Ich fand es furchtbar. In den ersten Monaten nach Beginn der Sitzungen fühlt man sich noch schlimmer, wie ein totaler Versager. Im Moment möchte ich mich damit nicht befassen. Ich habe irgendwie Angst davor. Vielleicht will ich mir auch nicht eingestehen, dass ich eine Macke habe.

Inzwischen, nach drei elendigen Monaten, geht es mir dank meiner Medikamente wieder relativ gut. Natürlich gibt es Einbrüche, Weinkrämpfe, Selbstzweifel, Momente, in denen ich mich in Unsinn hineinsteigere. Mr. K. weiß dann nicht, was er tun soll, außer in den Arm nehmen und trösten. Ich weiß ja selber nicht, was die Auslöser sind.

Im Februar waren wir im Urlaub. 26°C und Sonnenschein. Es ging mir richtig gut. So gut, dass ich nachlässig wurde, was die regelmäßige Einnahme meiner Tabletten anging. Mit der Folge, dass ich völlig den Sinn für die Realität verlor, als wir wieder hier waren. Ich hasste Deutschland regelrecht, ich verachtete diese triste und trübe Dasein, welches ich glaubte, jeder hier würde es führen. Ich verrannte mich in Argumenten, warum es anderswo besser sei, wollte nur noch weg hier. Ich hatte das Gefühl, der graue deutsche Himmel würde mich erdrücken, der Regen mich ertränken, die Unfreundlichkeit der Menschen in den Wahnsinn treiben.

Zum Glück war ich nach ein paar Tagen wieder „normal“. Ich habe auch wieder Interesse an meiner Umwelt, an meinen Hobbies. Ich habe wieder Spaß. Und ich nehme regelmäßig meine Tabletten.😉

Sorry, das war jetzt ein sehr langer „bin-wieder-da“-Artikel, aber ich wollte wenigstens  ein wenig erklären, was mit mir los ist und was in mir vorgeht, weil ich es sonst im Gespräch von Mensch zu Mensch nicht kann. Wenn man soetwas artikulieren will, fehlen einem manchmal die Worte. Dabei möchte man sich schon äußern, man möchte es aussprechen, um es vielleicht selbst besser zu verstehen.

Na gut, ihr Leben, meine nächsten Posts werden wieder positiver, versprochen!🙂

6 Kommentare

Eingeordnet unter That's Life!

6 Antworten zu “Da bin ich wieder

  1. Hallo Sal,

    klingt vielleicht blöd aber ich finde den Artikel nicht negativ. Weil du am Ende schreibst „die nächsten Artikel“ werden positiver.

    So in etwa kann ich nachfühlen. Nicht genau, das geht nicht. Vielleicht so weit, dass mir schon klar ist: ein „das wird schon“ wäre oft, hm, nicht ganz passend.

    Es ist manchmal schwer (und manchmal nicht möglich) die richtigen Worte zu finden. Wenn ich sage „ich habe mich über deinen Artikel sehr gefreut“ dann trifft es das, was ich gerne sagen möchte, nicht genau. Must be a coincidence – gestern habe ich gestöbert wann du das letztemal hier geschrieben hast und mir seltsame „Muster“ zusammengesetzt.

    Menschen sind gut im Muster suchen auch wenn diese Muster selten die „Realität“ beschreiben. Die können wir nicht erkennen. „Ich weiß ja selbst nicht, was die Auslöser sind“ klingt sehr bekannt. Zeigt, so meine ich, recht viel Vernunft – vielleicht vernünftiger als sich (irgendein) Muster rauszusuchen und das gefundene Muster als das passende definieren.

    Beim Zappelig sein hilft manchmal die Arme ganz kräftig verschränken, mir jedenfalls. Doch halt, es hilft nicht sondern unterdrückt nur irgendwelche Symptome – für einen Moment. Jedenfalls sehen die Anderen dann nicht das etwas „nicht stimmt“, erklären könnte man es sowieso nicht – wie auch, wenn ja nicht klar ist woher das Zappelig-sein kommt?

    Einen kurzen Abschnitt noch, nimm’s dissoziert weil er mich und nicht dich beschreibt: muss ich immer so wie die Anderen sein? Muss ich genau so funktionieren oder so tun als ob? Nach einigen Jahren (ich muss bescheissen, es sind Jahrzehnte) ist meine Antwort darauf: nein, das geht nicht. Die Routinen um damit klarzukommen habe ich ein bisschen verbessert, verfeinert. Das ändert die Realität nicht (wie auch?), es macht nur einige Dinge ein bisschen einfacher, leichter.

    Mach‘ aus dem Tag das, was du draus machen möchtest. Soweit das geht.

    Liebe Grüße

  2. Sal

    Hallo Waelti,
    schön, dass du noch da bist, auch wenn ich dem Blog so „untreu“ war.
    Ich weiß, was du sagen möchtest, danke dir dafür.
    Deine Fragen sind berechtigt, ich stelle sie mir auch.
    Natürlich müssen wir nicht sein, wie die anderen, nicht deren Wünschen entsprechen.
    Aber ist das Problem nicht häufig, dass wir UNSEREN EIGENEN Anforderungen nicht genügen? Zumindest ist es bei mir so.
    Ganz viele liebe Grüße,
    S.

  3. Hm, die Anforderungen, die ich an mich selbst stelle, sind meistens (viel) größer, als die Anforderungen der „Anderen“. Ja, das klingt ziemlich bekannt. (Dreh das nach belieben. Aus Deiner Sicht oder aus meiner.)

    Darüber denke ich in letzter Zeit (so die letzten 2-3 Jahre😉 ) etwas mehr nach. Natürlich sind Anforderungen bzw. Erwartungen auch durch die Umwelt geprägt. Zumindest beeinflusst. Das Problem: es gibt KEINEN Bereich mehr für den ich nicht ein Beispiel für etwas „besseres“ finden kann. Die Größe, das Gewicht, das Aussehen, wie viele Besucher ein Blog hat, wie gut ich mit Menschen auskomme, (setzte das – beinahe endlos – fort…).

    Ob etwas „richtig“ oder „gut“ ist, das können wir nur durch Vergleichen feststellen. Ja, „zu viel nachdenken“ ist in dem Fall ein kleines Problem😦

    LG / Waelti🙂

    • Sal

      Na ja, ich denke eigentlich „zu viel“ nach. Ich kann schlecht abschalten. Ich hinterfrage alles, was ich tue. Heute war wieder so ein Tag. Schrecklich.😦

  4. Wirst dich mit arrangieren müssen. Meine Erfahrung ist: das „zu viel“ lässt sich nicht einfach abstellen. Und außerdem – wer definiert denn ein „zu viel“? Mehr als der Durchschnitt, sicher. Wohl bei dir und bei mir. Das ist aber Teil des Lebens und hat ja nicht nur Nachteile. In, hm, melancholischen Phasen ist es allerdings nicht ganz so toll. Was sonst kreativ ist und zu einem Strom von Ideen führt, das lähmt dann bloß. So meine Erfahrung😦

  5. Ich freue mich sehr, dass du wieder da bist!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Liebe Grüße
    von Olga

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